Von der Kunst, zu leben

Von der Leichtigkeit des Seins

Vor Jahrzehnten, ich war Anfang 20, bezeichnete mich eine engere Freundin mal als Lebenskünstler. Zu der Zeit war ich beim Militär. Realität hatte das für mich nicht, ich tat einfach, was zu tun war, was befohlen war, alles war geregelt und festgelegt. Nebenbei schrieb ich Gedichte, weil ich ein bisschen verliebt war, um meiner Sehnsucht Ausdruck zu verleihen, vielleicht auch, um meinem unbewussten Hang, etwa besonderes sein zu wollen, nachzugeben. Ich schrieb ihr Briefe, die wahrscheinlich weitab von der mich umgebenden, alltäglichen Befehlsgewalt waren. Es war genügend Freiraum da in meiner jugendlichen Phantasie und in meinem unschuldigen Denken, als dass ich mich ernsthaft mit dem Unsinn militärischer Gewalt oder propagierter Notwendigkeiten auseinandergesetzt hätte. Das war klasse! Einmal schaffte ich es sogar, dass ich für einige Tage eingesperrt wurde; wegen einer kleinen, unbedeutsamen körperlichen Auseinandersetzung wegen eines Mädchens, im Ausgang und alkoholisiert. Mit der Wache hatte ich keinerlei Probleme, denn ich war ruhig und freundlich, ich konnte den ganzen Tag lang auf meiner Pritsche die eingeschmuggelten verträumten Novellen von Maupassant lesen, wunderbar! Alles andere interessierte mich gar nicht. Ich war einfach, wie ich war, aber im Falle eines Krieges hätte ich vielleicht als einer der ersten eine Kugel in den Kopf bekommen (von einem Vorgesetzten!), um als aufmüpfiges und somit gefährdendes Element rechtzeitig ausgesondert zu werden, bevor ich die Truppe gefährden konnte. Als ausgezeichneter Schütze wäre ich jedoch einfach nur meiner Bestimmung gefolgt – für den Frieden und für die Kameraden. Ach, es war eine so andere Welt, als die, in der ich lebte. Vorbeigelebt an allen Ideologien kam ich manchen vor, wie von einem anderen Stern. Und heute…?

Damals wollte ich frei sein. Und als ich es war oder glaubte, es zu sein, begriff ich, was für eine Verantwortung dahinter stehen muss, wenn man in seiner Freiheit frei bleiben will. Damals war es Anfang der 80-er Jahre. Heute, 2019, sieht die Welt anders aus. Oder hat sich nur etwas in meinem Kopf verändert?

Ärger, Ängste, Unzufriedenheiten

Verändert hatte sich alles 9/11. Die Unverfrorenheit, mit welcher auf allen Sendern weltweit gleichzeitig ein zuvor festgelegtes Bild in die Köpfe aller gebrannt werden sollte, war nur vergleichbar mit der Kriegshysterie vor den beiden Weltkriegen – Lügen ohne Ende. Und wer nicht dafür war, für die erlogenen Kriege, wurde zum Feind erklärt. Seit diesem Moment erst, bereits Mitte 30, begann mein Interesse für Politik. Es lohnte sich jedoch keineswegs. Der Lohn war ein untergrabenes gutes, positives Lebensgefühl, die Gewissheit und gleichzeitig Unsicherheit, dass auf höchsten Ebenen Intrigen geschmiedet wurden mit dem Ziel, die Welt in Asche, Elend und Sklaverei zu verdammen. Das ständige suchen nach Wahrheit, Informationen und neuen Indizien in jedem neuen Geschehen, in jeder neuen Pressenachricht, von einer Presse, die selbstverständlich für das “System” zu funktionieren und zu propagieren hat, anstatt zu informieren und auch zu hinterfragen. So ist das in jedem ideologischen “System”, das bestrebt ist, seine Macht zu erhalten. Und so kommt eine Lüge nach der anderen ans Tageslicht. Die Presse und der Rundfunk nennen die wahrheitliche Kehrseite der Lügen Verschwörungstheorien. Als wenn es eine Verschwörung wäre, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So lenkt man von den eigentlichen tatsächlichen Verschwörungen gegen die Menschheit und gegen die Menschlichkeit ab. Man bemerkt es schon, ich bin wieder mitten drin… Wie weit will man dies aber treiben, die Auseinandersetzung und Wegfindung im Zeitalter der Information, um weiter “Bescheid” wissen, sich orientieren zu können? Das Leben ist viel zu kurz, um sich an solchen Dingen zu verbrauchen, aufzureiben und zu verschenken. Was wäre gewesen, ich hätte mich niemals um solche Angelegenheiten gekümmert? Was hätte ich dabei verloren? Hätte ich gar etwas gewonnen? Hatte ich vielleicht nur meine eigenen Unzufriedenheiten nach außen projiziert, um mein Scheitern in machen Dingen rechtfertigen zu können?

Die goldene Mitte

Wenn ich es mir recht überlege, hatte in diesem weltweiten Chaos mein eigenes Leben ausschließlich damit zu tun, was in meinem Kopf vor sich geht, nicht, was in der Welt vor sich geht. Dies ist ein gewaltiger Unterschied und durchaus zu trennen. Ist das egoistisch? Ich denke nicht. Ich kann nur dort leben und aktiv sein, wo ich physisch anwesend bin. Deshalb kann ich die Welt auch nur verbessern, wenn ich an mir selber arbeite, um besser zu werden. Und besser werden musste ich. Besser werden muss jeder, deshalb ist er vermutlich auch hier, der Mensch. Meine Aufgaben habe ich in meinem unmittelbaren Umfeld. Das, was von außen wie eine Schablone über uns kommen möchte, können wir abweisen. Man stelle sich vor, es gäbe die GEZ und niemand würde zahlen. “Ich zahle nicht, denn es ist ungerecht und gesetzwidrig, auch wenn die Gesetzesschreiber uns erklären möchten, alles hätte seine rechte Ordnung.” “Okay, ich zahle auch nicht, ich gucke den Sch… schon seit Jahren nicht mehr.” “Ich bin dabei, ich informiere meine Verwandten, Bekannten und Freunde.” “Dann mache ich auch mit, wenn keiner zahlt, kann der Laden bald dichtmachen.” So könnte es laufen, wie ein Lauffeuer sich verbreitend, in vielen Bereichen, wenn es genügend Zivilcourage gäbe. Aber die Menschen sind bequem, lieber reden sie und schimpfen und streiten und reden und reden… Wir sind vernetzt durch Diplomatie, Bücher, Internet, Smartphones, es gibt hervorragende unabhängige Journalisten bei YouTube in allen Altersgruppen, aber es reicht nicht dazu, sich auf den Straßen zu versammeln und Signale zu setzen bis hin zum zivilen Ungehorsam, wenn er berechtigt ist. Mit anderen Worten, all die guten Informationen nützen nichts, wenn man nicht ans Handeln kommt; tätig sein und verhandeln.

Jeder Mensch ist zu etwas berufen. Die einen recherchieren, die anderen bauen, noch wieder andere heilen, es gibt Organisationstalente, und ich mache zum großen Teil das, was es auf traumsegler.de zu sehen gibt. Dafür braucht man ein gutes, freudiges Lebensgefühl. Meine beste Freundin sagte mir kürzlich, ich würde so langsam aber sicher zu einem “Meckerheini” werden und ständig über (bescheuerte) Begebenheiten lamentieren. Die Gefahr ist eben, dass man sozusagen lernt, als kritischer Geist und beobachtender Zeitgenosse, irgendwann nur noch die schlechten Dinge im Leben zu sehen und sich daran aufzuhalten. Was für ein Leben aber ist das? Wer möchte schon irgendwann zurückblicken und nur Unfrieden gehabt haben? Im Grunde möchte jeder Mensch friedlich, fröhlich und glücklich sein. Heute saß ich ein paar Minuten auf der Theatertreppe, mit einem Eis in der Hand ließ ich mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Bis auf ein paar Notwendigkeiten benötigen wir nicht viel mehr, oder? Doch, liebe Mitmenschen, mit denen wir unsere Freude und Eindrücke teilen können. Die uns darauf aufmerksam machen dürfen, und das erwarte ich von einem guten Freund!, dass ich eventuell danebenliegen könnte. Daran wachse ich gerne und mit Dankbarkeit. Und dies dürfen wir in der Auseinandersetzung mit der Welt, und die Mächtigen sind gerade gewaltig am Kurbeln, niemals vernachlässigen; unser gutes Grundgefühl bei allem, was uns begegnet. Mit aller gebotener Wachsamkeit.