Ernährungstheorien

 

"Alle sogenannten Zeitfragen haben die Eigentümlichkeit, daß sie mit ja und mit nein beantwortet werden können. Und zu alledem halte man, was wir erfahren haben: daß es Widerspruch überall einzig und allein nur in der Sprache geben kann."
Fritz Mauthner, "Beiträge zu einer Kritik der Sprache", 1921

 

Georges Ohsawa (1893-1966)

brachte die "Makrobiotik" in den Westen. In der radikalsten Anwendung (im Krankheitsfall) nimmt man dabei nur "Cerealien" (Getreide) und so wenig wie möglich Wasser(!) zu sich. Außerdem wird fast alles reichlich mit Mehrsalz gewürzt. Diese Ernährungsweise heilte bei Menschen in aller Welt alle sogenannten "unheilbaren" Krankheiten. Das Standardwerk "Zen Makrobiotik. Der Weg zur Langlebigkeit und Verjüngung" führt in seine Philosophie ein und bietet außerdem viele makrobiotische und abwechslungsreiche Rezepte. Konträr zur heilwirksamen Makrobiotik steht die moderne Auffassung, jeden Tag 2-3 Liter Wasser zu trinken und sich "reichhaltig und ausgewogen" zu ernähren.

 

Dr. Arnold Ehret (1866-1922)

erschloss sich den Weg des Früchte-Essers, heilte sich selber und viel andere ebenfalls von "unheilbaren" Krankheiten. Diese Ernährungsweise wurde auch mit Fastenkuren gekoppelt. In seiner radikalsten Form wird selbst hierbei noch "Mono-Ernährung", d.h. möglichst nur eine Sorte Früchte pro Mahlzeit (!), und idealerweise nur eine Mahlzeit pro Tag empfohlen. Ehret beklagte niemals Mangelzustände oder "Nebenwirkungen", es sei denn hervorgerufen durch anfängliche "Rückvergiftungen", heute eher benannt als "Erstverschlimmerung". Makrobiotik und Früchteessen zeitigen ausgezeichnete Ergebnisse, und wenn man es genau betrachtet, sind beides Formen von Fasten.

 

Dr. Weston A. Price (1870-1948)

war Zahnarzt und bereiste viele Jahre beinahe die ganze Welt, um herauszufinden, warum sich die Zahngesundheit in der 'zivilisierten' Welt rapide verschlechterte. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1939 in seinem Werk "Nutrition and Physical Degeneration" ("Ernährung und körperliche Degeneration"), leider bis heute nicht in Deutscher Sprache verfügbar! Price fand auf seinen Studien-Reisen kein Volk, welches in seinen regional/autark entwickelten Ernährungsgewohnheiten nicht auch immer etwas Fleisch verzehrte, und  seine Konsequenz bzw. Forderung war letztlich eine "möglichst hohe Nährstoffdichte der Nahrung", durch Naturbelassenheit, optimale, artgerechte (!) Ernährung von Nutzvieh, und der Verzicht auf Mehlprodukte (Getreide nur frisch und handgemahlen) und Zucker. Hier gibt es die Online-Version des Buches  in Englischer Sprache. Price war allerdings scheinbar nicht z.B. in Indien und Neuguinea  (hervorragender Artikel über Price). In Indien gibt es die Volksgruppen Bishnois und Jains, und in Neuguinea leben im Hochland Menschen, die sich rein vegetarisch ernähren , und sicherlich nicht nur dort. (In anderen Gegenden sind ebenfalls Süßkartoffel-Fladen oder Datteln, Feigen und Kokosnüsse Hauptnahrung der Bewohner.)

 

Dr. Otoman Zar Adusht Hanish (1844-1936) und Prof. Dr. Werner Kollath (1892-1970)

vertreten die Auffassung, das Getreide die Grundlage der Ernährung ist und die Entwicklung der damaligen Hochkulturen erst ermöglichte. Price sieht allerdings bereits bei den alten Ägyptern durch deren Gebrauch von Getreide die ersten Anzeichen von Degeneration. Dr. Hanish empfiehlt lediglich Mengen von täglich 200 Gramm Weizen für körperlich Tätige und ca. 60 Gramm für geistig Tätige. Insgesamt werden eine deutliche Reduzierung der Nahrungsmenge insgesamt sowie der Verzicht auf das Frühstück empfohlen. ("Weizen ist das wahre, das beste und das billigste Volksnahrungsmittel."  *1) W. Kollath publizierte seine Erkenntnisse in "Getreide und Mensch - eine Lebensgemeinschaft". Die Meinungen von Hanish und Kollath stehen diametral zur "low-carb"-Ernährungsweise, d.h. einer angestrebten Null-Reduzierung von Kohlenhydraten durch Vermeidung von Getreide und Mehlspeisen. Letztere waren bei A. Ehret ein Grundübel der 'modernen' Ernährung. Findet jetzt gar ein "Paradigmenwechsel" statt? *2) Wobei Dr. G.alina Schatalova bereits in den 70-er und 80-er Jahren in wissenschaftlichen Studien *3) nachwies, dass körperliche Extremleistungen bei minimaler Kohlenhydratezufuhr den Studienteilnehmern deutlichst leichter fielen, als jenen Teilnehmern mit einer Versorgung nach "hochoffiziellen Ernährungsempfehlungen", d.h. undifferenzierte Kalorienzählerei etc. Siehe auch josef-stocker.de/stockerKH.pdf  zum wichtigen Thema Kohlenhydrate-Reduzierung! Auch die folgende Theorie lehnt Getreide ab.

 

PALEO-Ernährung

( Steinzeiternährung ) - Eine Theorie, welche annimmt, der Mensch müsste sich immer noch genauso ernähren wie die Steinzeitmenschen bis vor ca. 20.000 Jahren, weil es bis heute keine genetische Anpassung an die heutige Lebebens- und Ernährungsweise gegeben hätte. Verboten sind Getreide, Milch und Zucker sowie alle industriell verarbeiteten Lebensmittel. Fleisch soll mit viel Fett gegessen werden. Diese Theorie ist umstritten (wie jede andere eigentlich auch), s. oben aufgeführten Link zu Wikipedia. Hier wird Fleischgenuss empfohlen, jedoch werden die katastrophalen ökologischen und Massentierhaltungs-Probleme sowie die gesundheitlichen Schäden durch verseuchtes Industrie-Fleisch nicht eingehend erörtert.

 

Low carb

ist eine Ernährungsmethode mit drastisch reduzierter Kalorienzufuhr mit besonderem Bezug zu Getreide- Stärke- u. Mehlhaltigen Speisen (Brot, Nudeln, Reis, Kuchen etc.). Low carb kommt deutlich in Mode und wird unter anderem von Dr. Strunz präferiert. Die unwissenschaftliche Kalorienzählerei scheint ein Ende zu haben, in den USA ist low carb bereits ein Hype. Dies scheint zunächst die sinnvollste Ernährungsanpassung der letzten Jahrzehnte zu sein (obwohl deutliche Hinweise auf deren Notwendigkeit mindestens genauso alt sind!), die zudem Vollwertkost auf Basis natürlicher Nahrungsmittel (Obst, Gemüse, Fleisch-, Fisch- u. Milchprodukte (Bio!), natürliche Fette und Öle) verspricht. Korn war vor Jahrzehnten und Jahrhunderten gesund, heute, mit den hochgezüchteten Getreidesorten und industriellen Backmischungen, längst nicht mehr. "Den Prozeß der Industrialisierung des Backwesens geißelte beim Neujahresempfang Anfang 1997 der französische Präsident Jacques Chirac: »Es ist unvorstellbar, das Brot aus einer richtigen Bäckerei mit diesem Ding zu vergleichen, das aus der Backstation kommt und allem Möglichen gleicht - nur nicht einem Brot.« Dabei ist in Frankreich die Industriebäckerei noch relativ zurückgeblieben: Dort hat sie grade mal ein Drittel Marktanteil, in Deutschland schon knapp zwei Drittel. Doch das Machtwort des Präsidenten half nichts ..." (Hans-Ulrich Grimm, "Die Suppe lügt", 1999) "In Deutschland gibt es bereits eine rudimentäre Low Carb Industrie, die uns mit Low Carb Brot, Kuchen, Müsli und Nudeln versorgen will." *4) Sehr spannend, was dabei an chemie-freier Vollwertkost herauskommen wird ...

 

Dr. Johanna Budwig (1908-2003)

teilte als erste Wissenschaftlerin ( diplomierte Chemikerin, approbierte Pharmakologin, promovierte Physikerin, Heilpraktikerin, Erfinderin und Buchautorin, Obergutachterin für Arzneimittel und Fette am Bundesinstitut für Fettforschung ) die Fette in gesättigte und ungesättigte Fette, und warnte vor dem Gebrauch von industriellen Transfetten (in Backwaren, Süßigkeiten, Fertiggerichten, Pommes frites...). Zeit ihres Lebens entwickelte sie ihre Gesundheitskost auf Basis von Eiweiß und Leinöl (vor allem auch, um bei Krebskranken die Zellatmung zu reaktivieren!) sowie gedünsteten Gemüsen, Obst, Nüssen und Honig. Reis, Hirse und Buchweizen sind als Beilagen ebenfalls erlaubt. Insgesamt könnte man von einer vegetarischen "low carb"-Ernährung sprechen, denn Mehlspeisen kommen in ihrer Diät nicht vor, wie übrigens auch ansonsten keinerlei Industrie-Nahrung wie Konserven, Fleisch, Milchprodukte außer Magerquark und etwas Milch, Säfte, und Zucker (Süßigkeiten) sowieso nicht. Zuletzt arbeitete J. Budwig als Heilpraktikerin mit Spezialisierung auf Krebspatienten und dokumentierte hunderte, wenn nicht tausende Fälle an Genesungen. Sie wurde 7x für den Nobelpreis nominiert, in Deutschland jedoch von der "Lobby" (Ärzteschaft, Nahrungsindustrie, Pharmaindustrie) mit Hilfe der Politik angefeindet. International war sie schon zu Lebzeiten anerkannt, auch durch ihre Fachbücher, die in Deutschland zum Teil nicht mehr auffindbar sind. "Der Tod des Tumors" z.B. ist bei eurobuch.com bei europaweiter Suche angeschlossener Buchhändler nur ein einziges mal gelistet - für 450,00 €! (Stand 27.08.2016) "Im übrigen wurden die BUDWIGschen Ergebnisse inzwischen von NYROP (Kopenhagen) und SINCLAIR (Oxford) bestätigt." (spätestens 1977!)

 

Dr. Max Gerson (1881-1959)

war Arzt und heilte mit der von ihm entwickelten Diät viele kranke Menschen. Diese Diät besteht kurz zusammengefaßt aus folgenden Anweisungen: 1. Aus dem Weglassen des Kochsalzes. 2. Aus der vorwiegenden Verwendung pflanzlicher lebender Nahrungsmittel. 3. Aus der Beschränkung der Kohlehydrate (Mehl, Zucker, Reis, Grieß, Teigwaren usw.). 4. Aus der Verminderung der tierischen Eiweißstoffe (Fleisch, Eiweiß, Wild, Geflügel usw.). Verboten sind: Tabak, Alkohol, Kaffee; starker Tee, Kuchen und Süßigkeiten, Schokolade, Kakao; Kochsalz, auch jeder Kochsalzersatz, geräuchertes und gewürztes Fleisch, Wurst, Schinken, Speck, geräucherte oder gesalzene Fische; Essig, Suppenwürzen und Bouillonwürfel; scharfe Käse, Konserven, Eingewecktes. Diese Ernährungsansichten erläuterte und veröffentlichte M. Gerson 1930 in seinem Buch "MEINE DIÄT - Ein Ratgeber für Kranke und Gesunde". Was an seinen Ausführungen "umstritten" sein soll (s. Beschreibung oben), entzieht sich dem gesunden Menschenverstand. Für Hilfe Suchende dürfte auch sehr interessant sein das Werk "Eine Krebstherapie - 50 geheilte Krebsfälle", eine äußerst aufschlussreiche Dokumentation.

 

Dr. Max Bircher-Benner (1867-1939)

- "Eine neue Ernährungslehre" - Beitrag wird demnächst ergänzt! "Wir haben es bei der Ernährung des Menschen sowohl wie alles Lebendigen nicht mit Kalorien, sondern mit Lichtquanten zu tun!"

 

Andreas Schauffert (*1963)

bestimmt die Nährwerte von (natürlichen) Nahrungsmitteln nach Energiewerten (energetisches Potential). Je höher die Energiewerte, desto mehr Energie bekommt der Körper durch die Nahrungszufuhr und umgekehrt. Die Bezeichnung für die Gattung "Nachtschatten-Gewächse" soll vom ursprünglichen "Nachschaden" abstammen, was die, eigentlich ja auch bekannte, Giftigkeit anzeigt. Eine Liste der Nahrungsmittel nach ihren Energiewerten findet man hier. Seine Theorien und praktischen Erfahrungen fasste A. Schauffert in seinem Buch "Gesund durch Wissen: Ein praktischer Wegweiser für eine allumfassende Gesundheit." zusammen. Das Interview auf tatwellness.com  beleuchtet die Ansichten von Schauffert näher.

 

Peter J. D´Adamo (*1956)

proklamierte in "4 Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben" eine Blutgruppen-Ernährung. Jede Blutgruppe würde ihre eigenen Ernährungsbedürfnisse haben und es gäbe spezifische Krankheits-Affinitäten. Gibt es Hinweise, Erfahrungen, dass die Ernährungsempfehlungen den Vorlieben entsprechen, bzw. Ernährungs-Umstellungen heilend wirkten? Nicht nur auf Wikipedia wird Kritik geäußert in Bezug auf Wirksamkeit und Wissenschaftlichkeit, und im Prinzip kann man diese Diät eher als Geschäftsidee bezeichnen.

 

Mono-Ernährung

Die alten Völker bzw. Volkgruppen hatten Grundnahrungsmittel bestehend aus Getreidesorten oder (Süß-)Kartoffeln, Fleisch, Fisch oder beispielsweise auch Feigen; jeweils eines davon dominierte die Ernährung. Somit hat auch jede Ernährungweise ihre eigene und ihr typische Darm-Flora entwickelt, die dann sogar in der Lage ist, Vitamine (z.B. B12!) und essentielle Fettsäuren zu produzieren. Dies ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich nachgewiesen. Der normale Mischkostler-Dünndarm von heute kann dies nicht mehr, auch deshalb, weil künstliche Vitamine zugeführt werden. Die Ansichten von Ohsawa, Ehret und Hanish zielen deutlich auf Mono-Ernährung. Eine nach individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Ernährung ist ganz sicherlich sinnvoll, wenn sie auf das zurück greift, was in der Natur wächst, regional und klimatisch bedingt verfügbar ist; das können wir verarbeiten und essen. "Das Gemüse und frisches Obst die Gesundheit schützen kann, stellten auch die Wissenschaftler um Susanne Rautiainen von der Schwedischen Karolinska Institutet in Schweden fest."  *5) Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen; wir können normalerweise sowieso nur das essen, was uns die Natur an frischem Obst und Gemüse bietet, und die Wissenschaft stellt fest, das dies unsere Gesundheit schützen kann! Jeder Mensch kann, wenn die Umstände es zulassen, selber herausfinden, was für ihn die beste, bekömmlichste Nahrung ist. Dies ist jedoch nur durch praktischen Vergleich möglich.


Quellen:

*1) Dr. Hanish, "Atem- und Gesundheitskunde"

*2) strunz.com/de/news/geordneter-rueckzug.html ---  strunz.com/de/news/der-letzte-kampf.html

*3) Dr. Galina Schatalova, "Wir fressen uns zu Tode"

*4) bmi-rechner.net/low-carb/low-carb-lebensmittel.htm

*5) Eine Krankheit hat viele Väter, die Mutter ist immer eine falsche Ernährung

 

(Dieser Artikel wird fortgesetzt, über weiterführende, ergänzende Hinweise freue ich mich!)