Meine Tu-Du-Liste

Was würde jemand hinter der Begrifflichkeit To-Do-Liste vermuten, dem das Englisch nicht ganz geläufig wäre? Es steckt ja das deutsche Wort Liste drin, und der (englische) Rest könnte also bedeuten tu du (es). Obwohl das to-do = zu-tun (eigentlich aber “machen” -> to do so) – schon ganz treffend ist; eine Liste, die zu tun ist, bzw. das, was der Inhalt auflistet, denn eine Liste kann man nicht tun. Da wir also eine Liste erstellen, die unsere eigenen Aufgaben enthalten soll, es sei denn die Liste wird explizit für jemand anderen geschrieben, könnte man diese Liste auch Tu-Ich nennen, also eine Tu-Ich-Liste. Früher war alles besser, sagt man, und da nannte man solch eine Liste auch Aufgabenliste, oder einfach nur Merkzettel. Dieser wird ins Englische eher mit memo (von memory = Erinnerung) oder auch notice (note) übersetzt. Dies in Kombination mit Liste wäre eventuell nicht so geläufig beziehungsweise sprach-elegant. Und warum muss man überhaupt deutsche und englische Wörter kombinieren und vermischen? Haben wir nicht mehr als ausreichende Begriffe, um alles Erdenkliche hinreichend beschreiben und erklären zu können? Denglisch gibt es nicht, nicht wirklich.

Man könnte sich nun einen Zettel abreißen und ganz oben, quasi als Überschrift, hinschreiben “zu tun”. Darunter käme dann die Liste mit den Aufgaben. Aber wer macht das schon? Ist es die Gewohnheit oder der Zeitgeist, welche uns to-do schreiben lassen (oder auch nichts); gedankenlos und unreflektiert? Ist es cool, to-do zu benutzen? Und was wir noch alles so cool finden, kühl… Wenn ich etwas klasse finde, heiß, erregend, erfreulich, schön, wunderbar, toll, großartig, phantastisch, traumhaft, wundervoll, sagenhaft, atemberaubend, grandios, prima, märchenhaft, stark, super, überwältigend, bezaubernd, himmlisch, außergewöhnlich … …, warum komprimiere ich dann all diese schönen, nützlichen, variablen und treffenden Wörter zu dem einen Wort cool, im schlimmsten Fall geil? Ich hörte aber auch schon “voll total“! Das war mal vor Jahren in einer jungen Menschengruppe zu beobachten, in der ein junges Mädchen etwas hörte, was sie sehr beeindruckte, und nun verzweifelt versuchte, dem sprachlich Ausdruck zu verleihen, um dann solch eine “Metapher” zu stammeln.

Aber ich schweife ab, denn es geht ja um Listen, eher um kurze Listen, im Englischen dann short-list, wie wir es bereits von unseren kurzen Hosen, den “Shorts”, kennen. Der britische Kolonialismus ist eben doch sehr nachhaltig, denn dadurch wurde Englisch zur Weltsprache. Aber ich gebe gerne zu, dass es sehr schöne englischsprachige Musik gibt. Aber auch deutsche. Seit 1946 ist Deutsch keine internationale Amtssprache mehr und von daher nicht mehr so einflussreich, wie es einmal war. – Als es auszog, alle Sprachen zu formen. Denn in allen Sprachen in Europa, Fernost (bis Japan und China!), Nordamerika (Inkas, Mayas etc.), bis Mexiko, findet man sehr gut erhaltene Althochdeutsche Sprache und Kultur. Man begebe sich einmal zum Google Übersetzer und staune, wie das Wörtchen Liste in allen möglichen Sprachen übersetzt wird. – Es ist meistens das Wort Liste herauszulesen. Selbst auf Türkisch sagt man Liste, mit entsprechendem Akzent natürlich. Im Japanischen heißt es Risuto (gesprochen ista!), was keiner Sprachwissenschaft bedarf, um es wiederum auf Liste zurückzuführen. Angeblich kommt der Begriff Liste aus dem Italienischen als Lista. Im Althochdeutschen hatte der Begriff List die Bedeutung für Wissen. Schreiben wir auf eine Liste nicht das, was wir wissen müssen, für den Einkauf zum Beispiel? Das Italienische ist als Ganzes nicht um die gesamte Welt gewandert, wie nachweislich das Althochdeutsche. Warum benutzt aber alle Welt eine Liste?

mhd. list, ahd. list; aus germ. *listi, zu *lais „wissen, kennen“; die ursprüngliche Bedeutung „Geschicklichkeit“ entwickelte sich über „Kunstfertigkeit“ zu „Trickfähigkeit, Hinterhältigkeit“

Warum sollte aus Wissen Listigkeit oder Hinterlist geworden sein? Handelt es sich bei einer to-do-list um eine listige Angelegenheit? Tu du die List… Wenn du über Sprachen besser Bescheid weißt und dies zu erklären vermagst, dann tu du’s.

Bitte nicht ganz ernst nehmen! Der rote Faden hat sich jetzt um sich selbst gewickelt.  🙂