Liebesbrief an meine Freude

Du, mein Licht, mein Sehnen,
ein Ast bin ich am Baum deines Lebens, der mich nährt, mir Kraft gibt. Dein Bildnis in mir ist wie der helle Schein der Morgensonne, die mich leuchten lässt im Spiegel dieser Welt. Dein Name klingt wie das Flöten einer Amsel, die mich freudig begrüßt.

Im Welt-Theater auf den Stufen der Schöpfung sitzend und unsere Angesichter dem grünenden Mai zugewandt, treffen sich unsere schweifenden Blicke und zaubern ein Lächeln ins Antlitz des anderen. Das Glück des Lebens, das, was andere Schicksal nennen, zieht die Schnüre und dirigiert unsere freudigen Herzen zu einer tanzenden Symphonie des Lebens. Doch der Wind der Illusion zerstiebt diesen flüchtigen Moment und jenes, was nicht werden wollte. Denn die Gelegenheit wartet nicht.

Hernach schlendere ich zuweilen hinaus, vorbei am Theater, dich zu finden ein zweites Mal. Wirst du dort sitzen, wartend? Solches passiert nur einmal in Äonen. Deshalb, jedes Suchen ist ein Nachlaufen dem Winde, der nie einzuholen ist. Träfen unsere Bahnen sich im Wirrwarr des Lebens noch einmal, anschauen würde ich dich, nicht im Spiegel meiner Träume, sondern über deine verzaubernden Augen direkt in dein Herz. Verschmelzen würde unser beider Lächeln zu einem beschwingten Leben in strahlendem Glanz.

Der große Spielmann des Lebens, unsere Fäden haltend, mag er uns beide gemeint haben, dann liebte ich keinen Traum, sondern Lebensglück, dass mich alles vergessen lässt an Vergangenem und Künftigem. Denn dein, unser, ist das Jetzt in zeitlosem Gewahrsein.

All-Vater All-Mutter kenne ich nicht. Meine Liebreizende jedoch, meine Perle, meine stolze Schönheit, anmutig-zart, mit glänzendem Haarkleid, du verbindendes Lächeln, welches mich erweckte aus meinem Winterschlaf, dich erkenne ich als meine Ewigkeit, als meine Freude. Wo bist du, wenn nicht in meinem Herzen?