Essay – Der Antagonist

Kennen wir nicht alle denjenigen in uns, der unbeherrscht wird, uns beherrscht, sobald wir glauben die Kontrolle zu verlieren, glauben aktiv nichts tun zu können, als uns mit Widerstand durchsetzen zu müssen, um nicht zu verlieren? – Der Antagonist

Diese Angst, dieser einzige Gegenpol zur Liebe, zur Freiheit, zum Leben überhaupt, hat viele Gesichter. Es sind die Gesichter des Angsthasen, Wutschnaubers, Beleidigten, Zweiflers, des Unentschlossenen, der Heulsuse, des Ungeduldigen und Nervösen, des Verzagenden, des Problemdenkers, des in Ungewissheit lebenden. Sie alle haben kein Vertrauen.

Der innere Widersacher, dieser wirkliche, echte Satan, dieser sitzt nicht irgendwo in irgendeinem versteckten Winkel des Universums, um uns aufzulauern, sondern in uns drinnen. In jedem einzelnen von uns. Das ist der Satan, der uns in Versuchung führt, den Jesus in der Wüste bezwang – nämlich sich selbst.
»Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde.« ( Jakobus 1, 13)
(Und deshalb müsste es heißen »Du führst uns in der Versuchung…«, – nämlich heraus aus selbige!)

Jeder negative Gedanke, jeder Gedanke, der nicht auf positives Werden, Wachstum, Schönheit, Vollkommenheit gerichtet ist, ist manipuliert vom Antagonisten, diesem Wichtigtuer, der nichts geschehen lassen kann im Vertrauen, dass das Leben für sich selber sorgt, und zwar auf perfekte Weise!

Der Antagonist will herrschen, kontrollieren, recht haben. Erhält, erschafft sich selbst durch das permanente erzeugen neuer Probleme. Er findet immer und überall, an jedem etwas, das nicht in Ordnung scheint. Aber in Wirklichkeit weiß er – nichts! Nur die Seele, das Herz wissen. Der Antagonist kann nur interpretieren, spekulieren, und wird dabei immer unsicher bleiben.

Das ist es, was die Welt heute so unsicher macht, unsere innere Unsicherheit.
In jedem Bereich des Menschseins behauptet sich der Antagonist, der Denker, der immer weiter nach Lösungen sucht, um, sobald sie gefunden scheinen, neue Fragen aufzuwerfen, die neue Probleme erzeugen, um wiederum nach neuen „Lösungen“ zu suchen. – Ein Kreislauf, eine Spirale, die nach unten, ins Verderben führt.
Jeder Bereich des Lebens, wird durchdrungen vom Denken, alles wird immer weiter zerhackstückelt, spezialisierter, verworrener, buchstäblich kaputt gedacht. Alles verliert sich immer mehr in für den Einzelnen nicht mehr überschaubaren Bestandteilen, um sich vom Einen zu lösen. Doch nur in diesem Einen finden wir Wahrheit, Vollständigkeit, Frieden, Loslassen, und schließlich die Lösung aller Probleme. Die Medizin zum Beispiel wird immer spezialisierter, und produziert letztlich immer mehr Krankheiten, Medikamente, Therapie- und Heilverfahren, Anwendungen. Keine Lebensform im Universum benötigt diesen Umfang an „Wissen“, außer dem Menschen, der die einfachen, universellen Wahrheiten nicht mehr sieht.

Dieses Beispiel lässt sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens anwenden. Diese im Einzelnen zu erläutern wäre müßig, jeder mag selber darüber sinnieren. Pädagogik, Religion, Technik…, wobei mir beim Stichwort Technik sogar der Gedanke kommt, dass dieses immer weitere Vordringen in die kleinsten, subtilsten Teilchen-Welten des Seins, das fortschreitende Erkennen des Verursachenden, des Gestaltenden, des Geistes hinter den Dingen, zum Einen Großen zurückführen mag. Die Quantenphysik hat da weite Türen geöffnet. Alle großen Physiker der letzten 100 Jahre, gerade die, die sich mit der Quantenphysik beschäftigten, erkannten das wahre geistige Wirkprinzip hinter allem, ja erkannten dies gar als schlussendliche Lösung, die Grundfragen des Lebens zu (er)klären. Der Geist als übergeordnetes Prinzip allen Wirkens und Entstehens.

Aber zurück zum Antagonisten. Stelle dir vor, dir begegnet auf der Straße ein Fremder, der dich beschimpft, beleidigt. Du hast nun endlose Möglichkeiten zu reagieren, und jeder wird es auf seine Weise tun. Und deshalb – was hat diese deine Reaktion mit dem anderen zu tun?! Jeder reagiert anders, und deshalb hat diese Situation und die Art und Weise, wie ich reagiere ausschließlich etwas mit mir selber zu tun. Der andere, der mich beleidigt, wenn ich es denn zulasse, ist in diesem Moment nur ein Spiegelbild meines Selbst. Ich kann dem frechen Typen eine herunterhauen, ihn beschimpfen, ihn auslachen, ihn bedauern, ich kann weinen, aggressiv werden, Mitgefühl empfinden, ihn in ein Gespräch verwickeln, ihm eventuell Hilfe anbieten; all dies hat nur mit mir selber zu tun. In diesem Moment erkennen wir den Antagonisten. Er ist nur so stark, wie wir es zulassen. Bezwingen wir ihn, oder lassen wir uns bezwingen, beherrschen von inneren Ausbrüchen. Diese Wahl haben wir in jedem Augenblick unseres Daseins, gewinnen oder verlieren. Vor allem aber uns selber erkennen. Die ganze Welt ist ein Spiegel unseres Inneren.

Das Leben ist in seinem Ursprung Freude, Schönheit, Wachstum, Frieden – Liebe. Beobachte die Natur! Alles andere, Furcht, Wut, Zweifel, Sorgen, Gehässigkeit, Herabsetzung, Mangelgefühl sind Facetten der Angst. Angst oder Liebe, das ist der Grundton, unser Grundgefühl für oder gegen das Leben.

Es gibt im ganzen Universum nichts, aber auch rein gar nichts, dem die Funktion des Angstmachens eingegeben wurde. Die Sonne spendet Licht und Wärme, das Wasser Leben, Feuchtigkeit und Frische, Wind/Luft Bewegung und Atem, die Erde Festigkeit und Verbundenheit. Aber was gibt es in der Welt, das von seiner Beschaffenheit, seinem Zweck her Angst einflößen soll? Was im Universum hat die Funktion von Angsterzeugung? Angst ist der direkte Widerspruch zum Leben. Das Leben ist prinzipiell auf Wachstum ausgelegt. Alles, was das Leben hervorgebracht hat und hervorbringt, hat den göttlichen, natürlichen Impuls zu wachsen. Angst ist stets eine Projektion. Angst ist etwas, dass wir auf Dinge, Situationen richten; niemals umgekehrt. Dieser Impuls zu wachsen ist das, was uns stets gleichzeitig beschützt. Das Leben schützt und beschützt durch den implizierten, inneren Drang nach Wachstum. Wir zerstören uns selber durch Angst, nichts und niemand sonst.

Und Angst machen ist in der Welt zu einem Geschäft geworden. Angst wird geschürt, um „Sicherheiten“, Medikamente, „Lösungen“, „Hilfe“ verkaufen, durchsetzen zu können. Angst macht abhängig, Abhängigkeit ist Angst.

Beobachte dich selbst, deine inneren Regungen, erkenne dich selbst. Deine wahre Natur ist Freiheit, Macht über dein eigenes Leben, Freude, spielerisches Wirken, Enthusiasmus und Kreativität. Jede Ausrede ist Angst, die sich so verselbständigt hat, dass sie in weiten Bereichen Grundlage des Lebens geworden ist, so selbstverständlich und subtil, dass wir sie oft nicht mehr wahrnehmen. Man kann Angst erklären, aber es gibt keinen Grund für Angst, und solange wir einen haben, sind wir nicht frei. Die größten Hindernisse zur Angstfreiheit sind Bequemlichkeit und Gewohnheit. Und diese führen immer zur Abhängigkeit.

Den Antagonisten haben wir im Laufe der Zivilisation in uns hochgezüchtet. Religiöse Dogmen haben das ihre dazu beigetragen. Eines der größten Verbrechen an der Menschheit wurde begangen durch das Implantat der Schuld in die Köpfe und Herzen der Menschen. Gott, der All-Liebende Schöpfer, hat den Menschen nicht als Schuldigen erschaffen, als „Erbsünder“, das ist absurd, dies hat uns die Kirche eingeredet. Sondern als freien Menschen mit der Aufgabe, Ihn in sich selbst zu erkennen. »Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch…« Niemand ist ein Sünder, jeder hat das Recht zu lernen, zu wachsen, zu erkennen. »Kein Heiliger ist ohne Vergangenheit, kein Sünder ohne Zukunft.«

So vollkommen, wie Gott ist, hat er den Menschen erschaffen, und in unserer grenzenlosen Freiheit sind wir vom Weg abgekommen und haben – Angst. Wir müssen und können nicht alles in der Welt erklären; die Devise heißt Leben, Leben in Besinnung auf unser wahres Erbe. Schöpfer unseres Lebens sein mit dem Einen, in Schönheit, Wahrheit, Freiheit, Reichtum, Freude.

Das Leben fließt, und ordnet sich auf vollkommene Weise selbst, Angst blockiert diesen Fluss. Angst blockiert den Lebensfluss, den Geldfluss, schöpferische Energien. Und deshalb darben die meisten unzufrieden vor sich hin, fühlen sich ohnmächtig, ausgeliefert. Die Wahrheit macht frei, und die Wahrheit ist Freiheit in allem. Die Mächtigen sind mächtig, weil du Angst hast. Und deshalb schüren sie weiter Angst, jeden Tag über Rundfunk und Zeitungen. Verabschiede dich davon, es nützt dir nichts, zu wissen, dass irgendwo wieder Schlimmes passierte. Die Welt ist so, wie du sie siehst. Für den einen ein Sommerfest, für den anderen ein Jammertal. Und was davon ist die Wahrheit? Das, was du siehst, in deinem Focus hast. Die Wahrheit ist das, was du für dich zur Wahrheit machst. Gott erlaubt dir, alles zu sein. Schau dich nur um in der Welt. Es ist deine Entscheidung, deine ganz alleine. Dennoch bist du nie alleine, das Universum ist immer auf deiner Seite. In allem, was du tust und wünscht. Es ist immer nur eine Sache der Entscheidung, der Absicht, die du triffst, kundtust und lebst.

Du musst nicht 40 Tage lang in die Wüste gehen, um deinen Antagonisten zu besiegen, du musst nicht fasten, um loszulassen (obgleich es durchaus helfen kann 🙂 ), es reicht, eine Entscheidung zu treffen, immerzu, und dann bei dir zu bleiben, im Vertrauen, das du stets die Allmacht des Himmels hinter dir hast. Und wenn du nicht an Gott glauben magst, dann glaube und vertrete grundsätzlich das Gute, Lebensbejahende. Angst sagt nein, das Leben sagt immer ja, immer, und wird dich deshalb immer unterstützen mit seinem inhärenten Wachstumsdrang. Denn du bist nicht losgelöst vom Leben, sondern eins mit ihm! Lebe frei!

»Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.«
(Hermann Hesse)

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